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Warum sehe ich nur Matsch? 5 Gründe für unscharfe Planeten

Sie haben ein neues Teleskop gekauft, freuen sich auf die ersten Beobachtungen und wählen Jupiter als Ziel. Doch leider sehen Sie nur eine weiße Scheibe ohne Details.

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Sie probieren noch eine Zeit lang am Teleskop herum, jedoch wird es nicht besser. Erkennen Sie sich in diesem Szenario wieder? Falls ja, erfahren Sie in diesem Magazinbeitrag die Gründe und Lösungen für unscharfe Planeten in Ihrem Teleskop.

Grund 1: Falscher Fokus

Ganz offensichtlich, jedoch häufig unterschätzt: Jedes Teleskop hat in Kombination mit dem jeweiligen Okular eine leicht andere Fokuslage. Gerade wenn mit Barlowlinsen gearbeitet wird, verschiebt sich der Fokus weiter nach außen. Zudem ist der Schärfebereich bei hoher Vergrößerung extrem klein! Bereits eine 1/20 Umdrehung am Okularauszug kann über Schärfe oder Unschärfe entscheiden. Nehmen Sie sich daher Zeit und konzentrieren Sie sich beim Fokussieren. Ein großes Hindernis ist hierbei auch die Luftunruhe, die das Scharfstellen erschwert – dazu mehr im nächsten Punkt.

Grund 2: Schlechtes Seeing (Luftunruhe) & Tubusseeing

Das Seeing (auf Deutsch: Luftunruhe) ist eines der größten Probleme bei der Planetenbeobachtung und -fotografie. Jeder kennt das Flackern einer heißen Straße im Sommer oder die flimmernde Luft über einem Grill. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Blick auf die Planeten. Das Seeing wird oft durch den Jetstream beeinflusst. Als Beobachter auf der Erdoberfläche hat man kaum eine Möglichkeit, Einfluss auf ein besseres Seeing zu nehmen – es sei denn, man begibt sich in höhere Lagen mit dünnerer Atmosphäre. Es gibt jedoch verschiedene Arten von Seeing, von denen Sie zwei durchaus beeinflussen können!

Links gutes Seeing, recht sehr schlechtes Seeing Links gutes Seeing, recht sehr schlechtes Seeing

Das Tubusseeing ist ein häufiger Grund für unscharfe Bilder: Ihr Teleskop benötigt Zeit zum Auskühlen. Wenn Sie es aus dem warmen Auto oder der Wohnung nach draußen bringen, befindet sich noch warme Luft im Tubus. Die Folge sind heftige Luftverwirbelungen im und vor dem Teleskop, die zu extrem unscharfen Planeten führen. Lassen Sie das Teleskop daher am besten etwa eine Stunde vor der Beobachtung mit abgelegten Deckel auskühlen.

Auch die unmittelbare Umgebung führt zu Unschärfe – man könnte hier von „Umgebungsseeing“ sprechen. Auf einer aufgeheizten Asphaltstraße steht das Teleskop zwar stabil, allerdings strahlt der Boden im Sommer noch sehr lange Hitze ab. Auch das führt zu unscharfen Planeten. Ein weiteres Beispiel ist die Beobachtung auf einer Wiese oder einem Feld: Nachts – vor allem im Spätsommer – bildet sich oft schnell und stark Feuchtigkeit, was die Beobachtungsqualität erheblich beeinträchtigt. Womit wir beim nächsten Punkt wären:

Grund 3: Tau auf der Optik

Tau ist in Europa ein sehr häufiges Problem, da die Luftfeuchtigkeit nachts meist sehr hoch ist. Nach kurzer Zeit können sich Wassertropfen auf der Linse oder dem Spiegel des Teleskops absetzen – ähnlich wie bei beschlagenen Autoscheiben am Morgen. Sobald das passiert, ist die Optik praktisch unbrauchbar. Kommt dann noch starke Kälte hinzu, kann die Optik sogar einfrieren! Für das Teleskop ist das zwar nicht schädlich, der Beobachtungsabend ist damit jedoch ruiniert. Abhilfe schaffen Taukappen oder Heizbänder, die vor der Optik montiert werden. Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie wissen möchten, welchen Tauschutz Sie für Ihr Teleskop benötigen. 

Grund 4: Planeten stehen ungünstig

Angenommen, Sie haben bisher alles richtig gemacht und trotzdem bleiben die Planeten klein und ohne Details. Der Grund dafür: Die Position der Planeten ist ungünstig. Jupiter, Saturn, Venus und Mars sind im Grunde die einzigen Kandidaten, die sich gewinnbringend beobachten lassen – alle anderen Planeten sind schlichtweg zu weit entfernt. Doch auch diese vier stehen je nach Jahreszeit unterschiedlich hoch und nah! Ja, selbst die Distanz zur Erde ändert sich über die Jahre spürbar. Am besten sollten die Planeten dann beobachtet werden, wenn sie ihren höchsten Stand am Himmel erreichen und uns auf ihrer Umlaufbahn am nächsten sind. Wann das der Fall ist, lässt sich im Internet schnell und einfach herausfinden.

Zur Verdeutlichung, ein Beispiel vom Mars, wie stark dieser von der Größe über das Jahr variiert.

Grund 4: Planeten stehen ungünstig

Hier ist ein Überblick für die nächsten Jahre:

Jahr 2026
• Jupiter (Höhepunkt: 10. Januar 2026)
• Saturn (Höhepunkt: 04. Oktober 2026)
• Venus (Höhepunkt: November / Dezember 2026)
• Mars 2026 keine Opposition. Recht schlecht!

Jahr 2027
• Mars (Höhepunkt: 19. Februar 2027)
• Jupiter (Höhepunkt: 11. Februar 2027)
• Saturn (Höhepunkt: 17. Oktober 2027)
• Venus (Höhepunkt: 03. Januar 2027)

Jahr 2028
• Jupiter (Höhepunkt: 13. März 2028)
• Saturn (Höhepunkt: 30. Oktober 2028)
• Venus (Höhepunkt: März & April 2028)
• Mars 2028 keine Opposition (erst wieder im Frühjahr 2029).

Grund 5: Dejustiertes Teleskop

Zu guter Letzt kann schlichtweg die Optik des Teleskops selbst die Ursache sein. Auch wenn dies meist nicht der Hauptgrund ist, können vor allem Spiegelteleskope dejustiert sein. Insbesondere nach einem längeren Transport oder der Reinigung der Spiegelfläche müssen bestimmte Teleskoparten neu ausgerichtet werden. Das gelingt mit einfachen Justier-Werkzeugen oder visuell direkt am Sternenhimmel. Wie genau Sie ein Teleskop richtig justieren, haben wir Ihnen bereits in einem anderen Magazinbeitrag gezeigt. Ob Ihr Teleskop dejustiert ist, lässt sich jedoch ganz einfach und schnell feststellen:

  • Lassen Sie Ihr Teleskop vollständig auskühlen.
  • Steuern Sie einen mittelschweren bzw. mittelhellen Stern an.
  • Nutzen Sie ein Okular mit moderater Brennweite (ca. 8–15 mm).
  • Stellen Sie den Stern bewusst unscharf. Bei Spiegelteleskopen erscheint nun eine kreisrunde Scheibe mit einem dunklen Zentrum – im Fachjargon oft auch „Donut“ genannt.

In der folgenden Grafik sehen Sie, wie ein defokussierte Stern aussehen sollte und wie nicht.

Links perfekt justiert, rechts dejustiert Links perfekt justiert, rechts dejustiert

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Ihnen geholfen, sodass Sie endlich scharfe Planeten beobachten können. Falls es weiterhin Schwierigkeiten gibt, melden Sie sich gerne bei unserem Service- und Beratungsteam. Sonst finden Sie als letztese noch die passenden Justagetools für die meinsten Spiegelteleskope

Autor: Marc-Antonio Fischer

Marc-Antonio, auch online bekannt als astronomical_horizon ist leidenschaftlicher Astrofotograf mit einem Fokus auf schnelle Spiegelteleskope. Seine Spezialität: kleine planetarische Nebel. Abseits der Sterne schlägt sein Herz für die Botanik. Die heimische Flora kennt er wie seine Westentasche (auch wenn er auf dem Bild keine Weste trägt). Und sollte dann noch Zeit übrig sein, greift er zur E-Gitarre.

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