Reise in die Dunkelheit
Orte ohne Lichtverschmutzung sind der Traum jedes Hobby-Astronomen. In diesem Magazinbeitrag stelle ich Ihnen lohnenswerte Reiseziele vor und zeige, worauf Sie bei der Planung unbedingt achten sollten.
Die Milchstraße in Namibia 2026 im Juli. 30 Sekunden Einzelbild!Die Auswahl des Ortes
Deutschland
Gute Nachrichten vorweg: Man muss nicht gleich eine Weltreise machen. Wir fangen direkt vor der Haustür an – denn ja, auch Deutschland hat wunderschöne, dunkle Ecken!
Wir haben tatsächlich einen eigenen Magazinbeitrag über die besten deutschen Sternenparks verfasst: 👉 Reise zu den Sternen – Die schönsten Star-Parks zum Beobachten in Deutschland
Lesen Sie sich dort gerne ein und kommen Sie danach wieder hierher zurück, um mehr über die genaue Reiseplanung zu erfahren.
La Palma
Innerhalb der EU gibt es ein weiteres, extrem beliebtes Reiseziel unter Astronomen: In gerade einmal fünf Flugstunden gelangt man von München nach La Palma. Hoch über den Wolken, am Berg Roque de los Muchachos, erfährt man erst, was ein wirklich dunkler Himmel bedeutet. Da die Wolkendecke die Lichtverschmutzung der Insel nach unten hin abschirmt, kann man hier perfekt beobachten und fotografieren. Auf über 2.000 Metern Höhe ist zudem die Luftunruhe wesentlich geringer – ein enormer Vorteil für die Astronomie.
Als Privatperson können Sie Ihr Setup zwar nicht direkt oben neben den professionellen Sternwarten aufbauen (hier gelten strenge Regeln), aber das ist kein Problem: Erlaubt ist das Spechteln entlang der Landstraße LP-4 oder noch besser an den sogenannten Astro-Miradores – speziell für uns Astronomen angelegten Beobachtungsplattformen.
Die besten Reisezeiten & Tipps für La Palma:
- Beste Monate: Juni, Juli und August. In dieser Zeit steht die Milchstraße spektakulär hoch am Himmel. Es lassen sich atemberaubende Milchstraßen-Panoramen und Deep-Sky-Aufnahmen machen.
- Mehr Objekte: Durch den geografischen Breitengrad von ca. +28° N befindet man sich näher am Äquator. Dadurch sind die Nächte selbst zur Sommersonnenwende mindestens sechs Stunden lang komplett dunkel. Es kommen Objekte zum Vorschein, die bei uns in Mitteleuropa kaum oder gar nicht zu sehen sind – ein Blick tief Richtung Süden lohnt sich!
- Angenehmes Wetter: Die Temperaturen sind im Sommer sowohl tagsüber (ca. 25 °C) als auch nachts (ca. 9–12 °C) sehr angenehm. Dennoch sollten Sie für die Nacht eine warme Jacke und eine Mütze einpacken, da es windig werden kann.
- Anreise & Logistik: Condor bietet beispielsweise mittwochs günstige Direktflüge ab München an, sodass man sich das Umsteigen spart. Mit einem Mietwagen lässt sich der gut asphaltierte Berg problemlos befahren. Spätestens, wenn man durch die Wolkenbarriere stößt, weiß man, dass man auf dem richtigen Weg zum Gipfel ist. Die Fahrt vom Flughafen bis nach oben dauert etwa 1,5 Stunden.
Vorteile auf einen Blick:
- Unkomplizierte Anreise (z. B. per Direktflug ab München)
- EU-Land: Kein Visum und kein Währungsumtausch nötig
- Frei zugängliche, sehr sichere Beobachtungsorte
- Bezahlbarer Urlaub (ca. 900–1.300 € pro Woche/Person)
- Die Insel bietet auch abseits der Astronomie fantastische Ausflugsziele
Die Sternwarte Roque-de-los-Muchachos auf dem höchsten Berg La PalmasNamibia
Namibia ist das wohl beliebteste und eines der besten Astronomie-Ziele weltweit. Nach ca. 9,5 Stunden Flug von München nach Windhoek erwarten Sie ein extrem dunkler Himmel und ein völlig neues Sternenbild, das Europäern sonst verborgen bleibt. In Namibia gibt es zahlreiche spezialisierte Astrofarmen, die eine umfangreiche Verpflegung, Aktivitäten und im Notfall sogar Equipment bereitstellen.
Ein großer Pluspunkt: Da Namibia in unserer Zeitzone liegt, gibt es keinen Jetlag!
Die beste Reisezeit ist die Trockenzeit zwischen Juni und August. Dort herrscht auf der Südhalbkugel Winter, was gleich mehrere Vorteile bietet:
- Lange Nächte: Es wird früh dunkel – von ca. 19:00 bis 05:00 Uhr morgens kann durchgehend fotografiert oder beobachtet werden.
- Kein Ungeziefer: Insekten wie Mücken sind in dieser Zeit praktisch nicht vorhanden.
- Klares Wetter: Die Regen- und Bewölkungschancen gehen gegen null.
- Perfekter Himmel: Die Milchstraße steht zu dieser Zeit genau im Zenit.
- Milde Temperaturen: Tagsüber ist es angenehm warm. Nachts wird es ähnlich wie in unseren Sommernächten – je nach Standort manchmal etwas kühler.
Neben der Astronomie können Sie geführte Tagesausflüge buchen oder die Region auf eigene Faust erkunden.
Was gibt es in Namibia zu beachten?
- Visum & Verkehr: Sie benötigen ein Visum, das vorab online oder direkt bei der Einreise ausgestellt werden kann. Zudem herrscht Linksverkehr.
- Mietwagen: Viele Astrofarmen bieten Transfers an. Wer selbst ein Auto mieten möchte, sollte unbedingt einen Geländewagen (4x4) wählen, da die meisten Straßen außerhalb von Windhoek nicht asphaltiert sind. Bitte fahren Sie hier entsprechend vorsichtig.
- Kleidung & Natur: Tiere sind im Winter kein großes Problem. Dennoch empfiehlt sich festes Schuhwerk und lange Kleidung. Vormittags werden mitunter Reptilien aktiv – hier ist ein aufmerksamer Blick ratsam.
Mein persönlicher Erfahrungswert: Die Astro-Gästefarm Hakos
Ich persönlich kann aus eigener Erfahrung die Astro-Gästefarm Hakos sehr empfehlen. Etwa 2,5 Stunden von Windhoek entfernt erwarten Sie überaus freundliche Gastgeber. Besonders hervorzuheben ist das hervorragende, abwechslungsreiche Essen. Die Zimmer sind gepflegt und liebevoll eingerichtet, und die gesamte Anlage bietet eine tolle Atmosphäre, um sich tagsüber zu erholen.
Ihr Equipment können Sie auf einer der drei großen Terrassen aufbauen. Das geschulte Personal hilft bei technischen Notfällen (wie fehlenden Adaptern oder Kabeln) schnell weiter.
Ich hatte vor Ort die Chance, mir ein großes Dobson-Teleskop zu mieten und diesen einmaligen Himmel visuell zu genießen. Auf rund 1.800 Metern Höhe ist die Luftunruhe extrem gering, was sowohl für die Fotografie als auch für die visuelle Beobachtung ein riesiger Vorteil ist.
Auch die Natur rund um Hakos ist atemberaubend: Mitten in den Bergen gelegen, gibt es neben dem Nachthimmel tolle Wanderrouten durch trockene Flussbetten und Akazienwälder, auf denen man mit etwas Glück Zebras oder Springböcken begegnet.
Reisedauer & Kosten: Ich empfehle eine Reisedauer von 7 bis 10 Tagen – die ersten Nächte benötigt man ohnehin erst einmal, um sich an diesen überwältigenden Anblick zu gewöhnen! Preislich liegt eine solche Reise pro Person (inkl. Flug und Visum) etwa zwischen 1.900 und 2.500 €, je nach Mietwagen und Verpflegungsart.
Blick auf die Astrofarm Hakos, kurz vor AnkunftSteht das Urlaubsziel? Dann kommen wir zu den Vorbereitungen!
Als Erstes stellt sich die Frage: Was nehme ich mit? Neben ausreichend Kleidung muss natürlich das Astro-Equipment gut verpackt werden.
1. Fernglas nicht vergessen
Ich empfehle jedem – egal ob reinem Astrofotografen oder visuellem Beobachter – ein Fernglas mitzunehmen. Es wiegt kaum etwas, leistet tagsüber gute Dienste und erlaubt es Ihnen nachts, stundenlang entspannt durch die Sternbilder zu mäandern. Zudem passt es problemlos in jedes Handgepäck.
2. Handgepäck & Koffer richtig aufteilen
Wer größere Geräte transportiert, sollte sich vorab bei der Airline informieren. Meist sind ein kleines Handgepäckstück (unter dem Sitz) und ein Kofferstrolley für die Kabine erlaubt.
- Ins Handgepäck gehören: Kameras, Okulare sowie empfindliche Optiken.
- In den Koffer (Aufgabegepäck) können: Montierung, Stativ, Kabel und Tauschutz.
- Tipp für Montierungen: Drehen Sie Azimutschrauben und andere abstehende Teile ganz ein oder schrauben Sie sie für den Transport komplett ab, damit nichts verbiegt.
3. Die Wahl der Montierung
Wenn Sie über eine Neuanschaffung für die Reise nachdenken, greifen Sie am besten zu einer Strain-Wave-Drive-Montierung (Harmonic Drive). Sie sparen sich schwere Gegengewichte, und die Montierungen sind extrem kompakt. Oft werden sie direkt in einer passenden Transporttasche geliefert. Zudem empfehle ich als Ergänzung einen kleinen Star Tracker, um bei Bedarf sogar dual fotografieren zu können.
4. Stromversorgung & Akkus (Wichtig!)
Auch wenn die meisten Astrofarmen eine Stromversorgung vor Ort bieten, sollten Sie bei eigenen Powerbanks und Akkus vorsichtig sein:
- Größere Akkus müssen zwingend ins Handgepäck und dürfen ab bestimmten Kapazitäten von den Airlines gar nicht erst mitgenommen werden.
- Informieren Sie sich vorab über die zulässigen Milliampere-Stunden (mAh) bzw. Wattstunden (Wh) Ihrer Airline und nehmen Sie im Zweifel das technische Sicherheitsdatenblatt des Akkus mit.
5. Kompakte Steuerung
Wer fotografieren möchte, sollte das Setup so schlank wie möglich halten. Intelligente Steuerboxen bzw. Kameras mit integrierter Steuerung (wie die ZWO ASIair-Serie) verbinden Guiding, Kamera- und Montierungssteuerung in einem Gerät. Ein PC oder ein separates Nachführrohr entfällt völlig – gesteuert wird bequem per Smartphone oder Tablet. Das spart enorm viel Gewicht und verhindert Kabelsalat!
Ich hatte in Namibia folgende Setups dabei:
Setup 1:
- Teleskop: Omegon 150/500
- Montierung: Omegon HEMI 31
- Stativ: Omegon Stativ
- Kamera: ZWO ASI 2600 MC Air
- Zubehör: ZWO CAA Rotator, ZWO EAF PRO, Starizona Nexus
Setup 2:
- Teleskop: William Optics RedCat 71
- Montierung: ZWO AM3N
- Kamera: ZWO ASI 585 MC Air
- Stativ: ZWO TC-40
- Zubehör: ZWO EAF Pro
Objektplanung und Framing
Bevor Sie Ihre finale Equipment-Auswahl treffen, sollten Sie planen, welche Objekte Sie auf der Südhalbkugel bzw. an Ihrem Zielort aufnehmen möchten. So finden Sie schnell heraus, welche Brennweite und welcher Bildausschnitt benötigt werden.
1. Software nutzen: Nutzen Sie die kostenlose Software Stellarium (für PC oder Smartphone).
2. Daten eintragen: Geben Sie Ihre Sensorgröße, die Teleskopbrennweite oder die Okulardaten ein.
3. Framing simulieren: Nutzen Sie die Okular-/Kamera-Simulation, um den optimalen Bildausschnitt für Ihre Wunschobjekte zu finden.
4. Inspiration holen: Objekte lassen sich entweder direkt in Stellarium entdecken oder über Fachliteratur (z. B. die Bücher von Ronald Stoyan). Ich persönlich bevorzuge die 3D-Simulation in Stellarium, da man hier den Verlauf der Objekte am Himmel über die Nacht hinweg perfekt einschätzen kann.
Mein Tipp: Schreiben Sie sich vor der Reise eine feste Beobachtungsliste mit Objekten auf, die von Ihrem Heimatort aus nicht sichtbar sind. Wer weiß schließlich, wann man das nächste Mal die Gelegenheit dazu bekommt!
Autor: Marc-Antonio Fischer
Marc-Antonio, auch online bekannt als astronomical_horizon ist leidenschaftlicher Astrofotograf mit einem Fokus auf schnelle Spiegelteleskope. Seine Spezialität: kleine planetarische Nebel. Abseits der Sterne schlägt sein Herz für die Botanik. Die heimische Flora kennt er wie seine Westentasche (auch wenn er auf dem Bild keine Weste trägt). Und sollte dann noch Zeit übrig sein, greift er zur E-Gitarre.