7500+ Artikel ab Lager lieferbar
🎄 Rücksendung bis 31.01.2023
Ihr Partner für die Astronomie
Magazin > Praxis > Tipps und Tricks > Reise zu den Sternen – Die schönsten Starparks zum Beobachten in Deutschland
Praxis

Reise zu den Sternen – Die schönsten Starparks zum Beobachten in Deutschland

Der Lichtverschmutzung entfliehen?. Wir zeigen Ihnen, wo Sie in Deutschland den dunkelsten Himmel mit den hellsten Sternen finden.

Licht Verschmutzung Teleskop Stadt Shutterstock Martin Podzorny

Sie müssen nicht auf die andere Seite der Welt fahren und Ihr Teleskop fernab in der Wüste, auf einer verlassenen Insel oder im Hochgebirge aufstellen, um einen atemberaubenden Blick auf unsere Milchstraße zu bekommen.

Im Radius der stetig wachsenden Städte sehen wir durch das künstlich erzeugte Licht, den sogenannten Lichtsmog, immer weniger Sterne, ganz egal ob mit dem bloßen Auge oder Teleskop. Leuchtreklame, Straßenlaternen und Autoscheinwerfer hellen unsere Nächte mittlerweile so stark auf, dass 60% der Europäer die Milchstraße nicht mehr von ihrem Wohnort aus sehen können, in Nordamerika sind es sogar 80%.

Trotzdem gibt es noch Orte, an denen Sie den (beinahe) natürlichen Nachthimmel beobachten können. Die International Dark Sky Association (IDA), eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in Amerika zeichnet diese Gebiete aus und klärt über Lichtverschmutzung auf. “Der Nachthimmel ist unser gemeinsames globales Erbe,” schreibt die IDA. Es liege in unserer Verantwortung ihn auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Weltweit sind über 90 sogenannte Dark Sky Places anerkannt, vier Sternenparks sind in Deutschland zu finden. Sie liegen in Brandenburg, im Dreiländereck Thüringen-Hessen-Bayern, in Nordrhein-Westfalen und in Bayern. Hobbyastronomen und Astrofotografen finden dort beste Bedingungen, um ihrer Leidenschaft nachzugehen.

Lichtschutzgebiete für das Wohl von Mensch und Natur

Um als Sternenpark anerkannt zu werden, müssen die öffentlichen Gebiete erst bestimmte Kriterien erfüllen. Sie müssen sich zum Beispiel aktiv für den Schutz der Nachtlandschaft einsetzen. In erster Linie heißt das, an allen Ecken künstlich erzeugtes Licht zu reduzieren. Lampen sollten nicht nach oben oder in die Horizontale leuchten, möglichst warmweißes Licht verwenden und in ihrer Leuchtdauer zeitlich begrenzt werden. Im Idealfall gibt es auch eine Kernzone ganz ohne Beleuchtung mit einer schützenden Pufferzone. Aber auch die Aufklärungsarbeit über Lichtverschmutzung in Form von Führungen und intensiver Öffentlichkeitsarbeit ist essenziell.

So kann die Himmelshelligkeit schon deutlich kontrolliert werden. Diese wird übrigens mit einem Sky Quality Meter in mag/"² (Magnituden pro Quadratbogensekunde) gemessen: je höher der Wert, desto geringer die Lichtverschmutzung. Der höchste Wert, den das SQM misst, sind 22 mag/"², was in Mitteleuropa allerdings gar nicht mehr vorkommt. Ab 21,5 mag/"² ist der Himmel aber schon dunkel genug, um einen spektakulären Blick auf die Sommer- und Wintermilchstraße zu bekommen. In Städten und Ballungszentren mit einem armen Sternenhimmel liegen die Werte dagegen meist unter 18,5 mag/"².

Diese künstlichen Lichtglocken stören unseren Tag-Nacht-Rhythmus. Immer mehr Menschen leiden zum Beispiel unter Schlafstörungen. Besonders Tiere sind für ihre Nahrungssuche und Fortpflanzung aber auf den natürlichen Wechsel zwischen hell und dunkel zur angewiesen. nachtaktive Tiere und Vögel verlieren durch hell erleuchtete Werbetafeln und Hochhäuser schneller die Orientierung, für viele Insekten sind sie Todesfallen. Ohne Insekten ist wiederum die ausreichende Bestäubung von Pflanzen in Gefahr.

All diese Naturparks verfolgen dasselbe Ziel: Sie schaffen nicht nur mehr Bewusstsein für Astronomie und Lichtverschmutzung, sondern sind gleichzeitig auch Vorbilder. Sie zeigen, dass es möglich ist, unseren Nachthimmel schon mit einfachen Mitteln zu schützen. Natürlich nicht nur für Hobbyastronomen und ihre Teleskope, sondern für Menschen, Tiere und ein funktionierendes Ökosystem allgemein.

Vier Sternenparks in Deutschland

Die spektakulären Aussichten machen auf jeden Fall neugierig auf das Projekt. Der astronomische Kalender ist voller großer und kleiner Ereignisse, für die es sich lohnt, Teleskop, Stativ und selbst geschmierte Butterbrote einzupacken und zum nächsten Sternenpark zu fahren. In Deutschland starten Sie Ihre Reise zu den Sternen und Galaxien am besten hier:

Sternenpark Westhavelland / Foto: Thomas Becker Sternenpark Westhavelland / Foto: Thomas Becker

Sternenreservat Westhavelland , Brandenburg

Das Sternenreservat Westhavelland wurde 2014 zum ersten deutschen Sternenpark ausgezeichnet. Es umfasst den Naturpark Westhavelland und die Gemeinde Schollende mit einer Fläche von insgesamt 1.380 km². Hier gibt es weder Öffnungszeiten noch Eintrittsgebühren. Auf zehn ausgeschriebenen Beobachtungsplätzen können Astronomieliebhaber ihre Teleskope aufbauen oder an Infotafeln mehr über den Sternenhimmel lernen.

Der dünn besiedelte Teil in und nördlich der 40km² Kernzone ist mit Werten bis zu 21.78 mag/"² besonders sternenreich und daher zum Beobachten besonders beliebt. Dort befindet sich auch der Ortsteil Gülpe-Havelaue, der als dunkelster Ort Deutschlands gilt. Kaum zu glauben, dass der Naturpark nur 70 km außerhalb von Berlin liegt. Der Sternenpark bietet rund ums Jahr auch Aktivitäten wie Nachtwanderungen, Fotoworkshops und Mondscheinpaddeln an und in der eigenen Beobachtungsstation Sternenblick Parey finden regelmäßig Vorträge statt.

Sternenpark Rhön, Ruine Ebersburg / Foto: Werner Klug, Verein Sternenpark Rhön e.V. Sternenpark Rhön, Ruine Ebersburg / Foto: Werner Klug, Verein Sternenpark Rhön e.V.

Sternenpark Biosphärenreservat Rhön, Bayern-Hessen-Thüringen

Das Biosphärenreservat Rhön ist durch seine zentrale Lage im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen gut zu erreichen. Gleichzeitig ist das Gebiet selbst relativ dünn besiedelt und bietet daher einen schönen dunklen Himmel mit Spitzenwerten von bis zu 21.78 mag/"². Die Milchstraße und das Zodiakallicht sind zum Beispiel schön zu sehen. Im Jahr 2014 wurde das 2.430 km² große Areal als Sternenpark ausgezeichnet.

Die sechs neu errichteten Himmelsschauplätze sind mit einem Polarsternfinder, einer drehbaren Sternkarte und Wellenliege ausgestattet. Tagsüber können sich Wanderer an den Tafeln informieren, nachts können Hobbyastronomen entspannt und spielerisch den Himmel erforschen. Wer mehr möchte, kann auch an astronomischen Mond- und Sternenführungen des Vereins Sternenpark Rhön e.V. teilnehmen.

Hier befindet sich auch Fulda, die erste Sternenstadt Deutschlands. Mit einem Lichtkonzept geht sie wie der Sternenpark aktiv gegen Lichtverschmutzung vor und will zeigen, dass Urbanität und Ökologie kompatibel sind.

Sternenpark Eifel / Foto: Maximilian Kaiser Sternenpark Eifel / Foto: Maximilian Kaiser

Sternenpark Nationalpark Eifel, Nordrhein-Westfalen

Schöne Beobachtungen sind auch im bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands möglich. Den Status als Sternenpark bekam der Nationalpark Eifel 2014 erst vorläufig und 2019 schließlich offiziell verliehen. Der dunkle Himmel mit rund 21.2 mag/"² zieht seitdem viele Astronomie- und Naturliebhaber aus den Ballungszentren an. Von Köln liegt er nur rund 65 km entfernt.

In der Sternwarte Vogelsang IP mitten in dem 120 km² großen Areal stehen leistungsstarke Teleskope und Großfeldstecher zur Verfügung. Die Astronomie-Werkstatt “Sterne ohne Grenzen” bietet dort tags wie nachts regelmäßig Veranstaltungen und geführte Beobachtungen auf deutsch und englisch an.

Das nächste Ziel des Nationalparks ist die offizielle Auszeichnung als Sternregion. Durch das Projekt “Unterm Sternzelt - Eifel bei Nacht” sollen auch in einem 15 km Radius um den Park Maßnahmen gegen Lichtverschmutzung durchgesetzt werden.

Winklmoos-Alm / Foto: Sebastian Voltmer, abenteuer-sterne.de Winklmoos-Alm / Foto: Sebastian Voltmer, abenteuer-sterne.de

Sternenpark Winklmoos-Alm, Bayern

Als jüngstes Mitglied gehört seit 2018 auch die Winklmoos-Alm in den Chiemgauer Alpen zu den deutschen Sternenparks. Auf 1200 m Höhe zeigt sich den Besuchern ein fast uneingeschränktes Panorama des Nachthimmels. Schon mit dem bloßem Auge sind bis zu 5.000 Sterne sichtbar und mit etwas Glück kann man dort sogar unsere Nachbargalaxie, die Andromeda Galaxie, entdecken. Almbauern, Gastronomen und Bewohner haben sich zusammengeschlossen und über 100 Lichtquellen umgerüstet, um diesen Blick zu ermöglichen.

Der Astronom und Physiker Manuel Phillip bietet zusätzlich astronomische Führungen für das Beobachten mit bloßem Auge an und zeigt, wie man die schönsten Sternbilder findet. Die nächsten größeren Orte liegen 30-40 km entfernt, sodass der Nachthimmel eine natürliche dunkle Umgebung hat und locker Werte von 21.60 mag/"² erreicht. Der einzige Sternenpark in den Alpen ist gleichzeitig gut mit dem Auto zu erreichen und Besucher können mitten im Gebiet in Herbergen übernachten.

Sternenpark statt Weltraum

In die Natur zu fahren, um Sterne zu sehen ist eine der einfachsten und zugänglichsten Reiseformen. In manchen Augen mag der Blick in einen klaren Sternenhimmel vielleicht sogar ein menschliches Grundrecht sein. Ob nun auf der Suche nach mehr Verbundenheit mit dem Universum, nach spektakulären Aussichten oder nach gleichgesinnten Hobbyastronomen; das Interesse an Astrotourismus wächst weiter.

Früher hätten wir uns darunter vielleicht eine Reise samt Rakete und Raumanzug zum Mond vorgestellt. Heute reicht schon allein Ihre Abenteuerlust aus, um in einem Sternenpark den Himmel zu erkunden.

Wenn Sie mit Ihrem eigenen Teleskop auf Beobachtungsreise gehen wollen, sollte folgendes auf keinen Fall fehlen: eine robuste Transporttasche für Ihre Optik, ein Transportkoffer für Okulare und Beobachtungszubehör eine Rotlichtlampe und ein Notizbuch, damit sie das Erlebnis samt Ihren Funden auch festhalten können. Denn die Chancen stehen gut, dass Sie den gewohnten Himmel in einem Sternenpark mit ganz anderen Augen sehen und das eine oder andere neue Objekt entdecken werden.