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Praxis

Striche am Himmel

Warum nicht die Drehung des Sternhimmels nutzen? Strichspur-Aufnahmen sind eindrucksvoll und perfekt für den Einstieg.

Wenige Meilen vor dem Capitol Reef Nationalpark in Utah (USA) entstanden diese Strichspuraufnahmen mit Blick nach Norden, die die Wanderung
der Sterne über den vom zunehmenden Mond beleuchteten roten Sandsteinfelsen zeigt. In diesem Summenbild sind 350 Aufnahmen mit einer Belichtungszeit
von je 90 Sekunden kombiniert (Gesamtbelichtungszeit: 525 Minuten = 8,75 Stunden). Entstanden ist das Bild mit einem 10-20mm Objektiv (bei 10mm
und f/4) an einer Canon DSLR vom Typ 450D. U. Dittler Wenige Meilen vor dem Capitol Reef Nationalpark in Utah (USA) entstanden diese Strichspuraufnahmen mit Blick nach Norden, die die Wanderung der Sterne über den vom zunehmenden Mond beleuchteten roten Sandsteinfelsen zeigt. In diesem Summenbild sind 350 Aufnahmen mit einer Belichtungszeit von je 90 Sekunden kombiniert (Gesamtbelichtungszeit: 525 Minuten = 8,75 Stunden). Entstanden ist das Bild mit einem 10-20mm Objektiv (bei 10mm und f/4) an einer Canon DSLR vom Typ 450D. U. Dittler

So gelingen eindrucksvolle Strichspuraufnahmen

Es ist faszinierend, die Wanderung der Sterne am Himmel in Form von Strichspuraufnahmen (engl. Startrails) sichtbar zu machen. Wenn dabei der Polarstern mit im Bild ist, wird auch die Drehung des Himmels um den Himmelspol eindrucksvoll deutlich. Und das Beste: der technische Aufwand zur Erstellung von Strichspuraufnahmen ist gering.

U. Dittler U. Dittler

Der prinzipielle Ablauf zur Erstellung von Strichspuraufnahmen ist recht einfach: Mit einer Kamera werden kontinuierlich Fotos einer Himmelsregion angefertigt und so wird die Wanderung der Sterne über den Himmel innerhalb einer längeren Zeit festgehalten. Durch die anschließende Addition dieser Aufnahmen per digitaler Bildverarbeitung kann die Gesamtbelichtungszeit einer solchen Strichspuraufnahme mehrere Stunden betragen, ohne dass die Nachteile einer einzelnen mehrstündigen Belichtung das Bild stören.

Notwendige Ausrüstung

Als Ausrüstung für den Einstieg in die Strichspurfotografie reichen ein ausreichend stabiles und standfestes Stativ, eine Kamera und ein Fernauslöser. Die Kamera sollte über eine Weitwinkeloptik verfügen, um einen möglichst großen Ausschnitt des Himmels – und damit ein großes Feld der wandernden Sterne – abbilden zu können. Auch ist es erforderlich, dass die Belichtungszeit manuell eingestellt werden kann. Zudem muss ein Fernauslöser angeschlossen werden können, um die Kamera erschütterungsfrei auszulösen. Sehr gut eignen sich digitale Spiegelreflexkameras mit lichtstarken Weitwinkelobjektive (mit Brennweiten zwischen 20 und 35mm) und manuellen Belichtungseinstellungen für die Erstellung von Strichspuraufnahmen.

Auswahl der Motive

Da auf den fertigen Strichspuraufnahmen meist die fotografierten Sternbilder nicht mehr zu erkennen sind, ist es nicht entscheidend, welche Region des Himmels anvisiert wird. Entscheidender für die Ausrichtung der Kamera ist die Frage, ob man nur die Wanderung der Sterne losgelöst von der Landschaft zeigen möchte, oder ob auch Teile der Landschaft den Vordergrund des Fotos prägen sollen. Einzelne Gegenstände wie Bauwerke, typische Landschaftsformationen oder Bäume im Vordergrund können die Aufnahmen interessanter und plastischer machen. Allerdings sollten keine Fahnen oder Pflanzen im Bild sein, die während der Aufnahme im Wind schwanken. Befindet sich der Himmelspol im Bildfeld, werden die Strichspuren im fertigen Bild um diesen rotieren.

Für den Einstieg in die Strichspurfotografie reichen eine preiswerte Kamera mit Weitwinkeloptik
(hier ist links eine Canon EOS 450D mit preiswertem 35mm-Objektiv abgebildet), ein Fernauslöser
(hier wird ein Funk-Fernauslöser verwendet) und ein preiswertes Stativ. Engagierte Astrofotografen
können eine digitale Spiegelreflexkamera mit Vollformat-Chip zusammen mit einem
lichtstarken Weitwinkelobjektiv (hier eine Canon 5D mit einem Objektiv mit 20mm Brennweite
und Blende 1,8) verwenden – rechts abgebildet. Der angeschlossene Batteriegriff ermöglicht eine
längere Aufnahmesequenz, die vom programmierbaren Fernauslöser autark abgearbeitet wird. U. Dittler Für den Einstieg in die Strichspurfotografie reichen eine preiswerte Kamera mit Weitwinkeloptik (hier ist links eine Canon EOS 450D mit preiswertem 35mm-Objektiv abgebildet), ein Fernauslöser (hier wird ein Funk-Fernauslöser verwendet) und ein preiswertes Stativ. Engagierte Astrofotografen können eine digitale Spiegelreflexkamera mit Vollformat-Chip zusammen mit einem lichtstarken Weitwinkelobjektiv (hier eine Canon 5D mit einem Objektiv mit 20mm Brennweite und Blende 1,8) verwenden – rechts abgebildet. Der angeschlossene Batteriegriff ermöglicht eine längere Aufnahmesequenz, die vom programmierbaren Fernauslöser autark abgearbeitet wird. U. Dittler

Nächtliche Aufnahmepraxis

Strichspuraufnahmen sollten in Nächten um Neumond erstellt werden, damit keine schwachen Sterne durch das helle Mondlicht verschluckt oder überstrahlt werden. Zur Ermittlung der Belichtungszeit sind Probeaufnahmen und ein Blick auf deren Histogramm unerlässlich. Kein Teil des Bildes sollte über oder unterbelichtet sein. Die Empfindlichkeit (etwa 400 oder 800 ISO) und die Belichtungszeiten sollten so gewählt sein, dass möglichst viele Sterne sichtbar werden. Die Anzahl der anzufertigenden Bilder wird eigentlich nur von der Kapazität des Kameraspeichers und der Batterie beschränkt.

Vor dem Starten der Aufnahmeserie sollte man sich davon überzeugen, dass der automatische Weißabgleich, der Autofokus und der Bildstabilisator der Kamera ausgeschaltet sowie als Dateiformat das JPG- oder RAW-Format gewählt wurde (wobei die Speicherung der größeren RAW-Dateien länger dauert und daher die Zeitabstände zwischen den Aufnahmen größer werden – und damit auch die Lücken in den Strichspuren). Die kamerainterne Rauschunterdrückung sollte ebenfalls deaktiviert sein. Da der Autofokus meist nicht funktioniert, ist zudem eine manuelle Fokussierung notwendig; hierbei hilft die vergrößerte Anzeige des Live-Bildes auf dem Kameradisplay.

Wanderung der Sterne über dem Aussichtsturm auf dem 1149 Meter hohen Brend, einem
Berg im Südschwarzwald. Das Bild setzt sich aus 413 je 15-sekündigen Aufnahmen zusammen und
zeigt damit die Wanderung der Sterne über gut 100 Minuten. Kamera: Canon 550D mit 20mm Objektiv
bei Blende 1,4. Da die eine Seite des Turms von einer Lampe eines nahegelegenen Gasthauses
beleuchtet wurde, musste sich die Belichtungszeit der einzelnen Aufnahmen daran orientieren,
um zu vermeiden, dass diese Turmseite überbelichtet und ausgebrannt erscheint. U. Dittler Wanderung der Sterne über dem Aussichtsturm auf dem 1149 Meter hohen Brend, einem Berg im Südschwarzwald. Das Bild setzt sich aus 413 je 15-sekündigen Aufnahmen zusammen und zeigt damit die Wanderung der Sterne über gut 100 Minuten. Kamera: Canon 550D mit 20mm Objektiv bei Blende 1,4. Da die eine Seite des Turms von einer Lampe eines nahegelegenen Gasthauses beleuchtet wurde, musste sich die Belichtungszeit der einzelnen Aufnahmen daran orientieren, um zu vermeiden, dass diese Turmseite überbelichtet und ausgebrannt erscheint. U. Dittler

Bildverarbeitung

Die Verarbeitung der einzelnen nächtlichen Aufnahmen zu einer Strichspuraufnahme kann grundsätzlich mit jeder Bildverarbeitungssoftware manuell erfolgen, deutlich einfacher als die manuelle Verarbeitung ist es aber, für die Verarbeitung der Strichspuraufnahmen ein für diese Aufgabe spezialisiertes Programm zu verwenden, wie etwa das kostenlose Startrails für Windows oder StartStaX für Mac.

Autor: Ullrich Dittler / Lizenz: Oculum-Verlag GmbH

18.06.2021
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