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Perseiden erfolgreich beobachten: So geht's

Die Sternschnuppen kommen: Jetzt fallen wieder die meisten Meteore des ganzen Jahres. Folgen Sie den Tipps für die erfolgreiche Beobachtung.

Aufnahme von 4 Perseiden-Spuren Fotograf: Sebastian Voltmer Aufnahme von 4 Perseiden-Spuren Fotograf: Sebastian Voltmer

Der Moment eine Sternschnuppe zu sehen, ist für viele Menschen aufregend und einfach ein besonderes Erlebnis. Sie sollten es sich nicht entgehen lassen.

Wenn auch Sie von den Sternschnuppen begeistert sind, dann sollten Sie die nächsten Abende nutzen. Denn in der Nacht vom 11. auf den 12. August fallen etliche Sternschnuppen vom Himmel. Jedes Jahr um diese Zeit kündigt sich der Meteorstrom der Perseiden an.

Immer wenn der Himmel weint

„Tränen des Laurentius“ oder „Laurentiustränen“ lautet die Metapher der Perseiden. Sie jedoch geht auf ein dramatisches Ereignis zurück.

Laurentius war ein römischer Diakon, der in der Zeit um 250 n.Chr. lebte. Zur gleichen Zeit herrschte in Rom Kaiser Valerian, der versuchte, das Christentum zu zerstören. Nachdem Valerian den Papst enthaupten ließ, verlangte er von Laurentius die Herausgabe von Kirchenschätzen.

Laurentius war jedoch auch ein Held.

Er widersetzte sich, kämpfte mit allem was er hatte und wurde schließlich auf einem glühenden Eisenrost hingerichtet. Er starb als Märtyrer. Seit dem, so erzählt die Legende, fallen immer im August die heißen Tränen vom Himmel.

Wo finde ich die Sternschnuppen?

Wo finde ich die Sternschnuppen?

Wenn man die Meteore am Himmel von Ihrem Ursprungsort zurückverfolgt, scheinen sie alle aus einem bestimmten Punkt zu stammen. Astronomen nennen diesen Punkt Radiant. Im Fall der Perseiden ist es das Sternbild Perseus, daher stammt auch der Name des Meteorstroms.

Wenn Sie sich einen Ort zum Beobachten suchen: Achten Sie darauf, dass Sie das Sternbild Perseus im Blickfeld haben und es nicht durch ein Hausdach oder Ähnliches verdeckt wird.

Ein Vorteil bei der Beobachtung: Das Sternbild Perseus ist zirkumpolar. Es ist die ganze Nacht über am Himmel zu sehen. Am frühen Abend befindet es sich noch dicht über dem nödlichen Horizont, aber je später die Uhrzeit, desto höher steigt das Sternbild.

Woher stammen die Perseiden?

Die Sternschnuppen haben ein Elternhaus: Der Komet 109P Swift Tuttle, der erst im Jahr 1862 entdeckt wurde. Als er in die Nähe der Sonne kam, hinterließ er eine Spur aus Staubteilchen. Wenn die Erde heutzutage dessen frühere Bahn kreuzt, taucht sie in eine Art unsichtbare Wolke aus Staubteilchen ein. Wenn sie auf die Atmosphäre treffen, verglühen sie und es entstehen die romantisch aussehenden Sternschnuppen.

So beobachten Sie die August-Sternschnuppen

Sie sollten nicht nur ein paar Minuten in den Himmel blicken. So funktioniert das leider nicht.

Um viel zu entdecken müssen Sie Geduld mitbringen und es sich so bequem wie möglich machen. Die Perseiden zu beobachten bedeutet auch den Sternenhimmel als Ganzes auf sich wirken zu lassen und einfach zu genießen. Besorgen Sie sich für die Beobachtung am besten eine Gartenliege, einen Campingstuhl oder eine Isomatte. Soll es eine lange Nacht werden, ist eine Decke und heißer Tee oder Kaffee eine gute Idee.

Für die Perseiden suche ich mir mit Freunden oder der Familie einfach ein lauschiges Plätzchen. Wir machen es uns auf Decken und Liegen gemütlich. Immer wieder fallen uns die Augen zu. Doch spätestens wenn einer von uns wieder eine Sternschnuppe entdeckt und aufgeregt ruft, sind wir alle wieder wach.

Wann Sie die Sternschnuppen am besten beobachten

Der Meteorstrom der Perseiden ist natürlich die ganze Nacht zu sehen. Aber das beste Zeitfenster liegt zwischen 22 Uhr und 4 Uhr.

Im Maximum 2021 haben wir einen riesigen Vorteil: Erst vor vier Tagen war Neumond. Am 11. August in den Abendstunden sehen Sie eine nur zu 12% beleuchtete schmale Mondsichel über dem westlichen Horizont. 

Bis es richtig dunkel wird und die Hochzeit der Sternschnuppen beginnt, ist der Mond schon unter dem Horizont verschwunden und wir gönnen uns eine ganze Nacht freien Blicks auf den Sternenhimmel und die Perseiden.

Mit dem Sternfeldglas auf der Jagd nach Meteoren

Mit dem Sternfeldglas auf der Jagd nach Meteoren

Kann man Sternschnuppen nur mit dem bloßen Auge sehen? Wie Sie vielleicht wissen, können wir mit dem bloßen Auge in sehr dunklen Nächten eine visuelle Grenzgröße von 6 mag erreichen. Theoretisch können wir dann bis zu 100 Meteore pro Stunde zählen. 

Wollen Sie mehr sehen? Ein Sternfeldglas sammelt mehr Licht und Sie können die natürliche Grenzgröße um etwa 1,5 mag erhöhen. Vorausgesetzt Sie haben das Glück einen dunklen Himmel zu genießen, entdecken Sie weitere Meteore, die mit dem bloßen Auge nicht sichtbar sind. 

Ein Sternfeldglas ist etwas ganz anderes als ein Teleskop. Denn trotz hoher Lichtstärke liefert es nur wenig Vergrößerung, Sie überblicken ein Feld von etwa 25 Grad. Eine tolle Ergänzung zum Beobachten mit freiem Auge.

"Feuerkugeln" melden und der Forschung helfen

Immer wieder gibt es besonders helle Meteore, die für kurze Zeit den Himmel erhellen und manchmal auch eine Leuchtspur hinterlassen. Die Perseiden stehen im Ruf, relativ viele dieser sogenannten "Feuerkugeln" aufzuweisen. Aber auch in anderen Nächten sind sie mit Glück zu sehen. Der astronomischen Forschung hilft es, wenn die Bahnen dieser hellen Sternschnuppen genau registriert werden. Und dabei können Sie helfen: Wenn Sie eine Sternschnuppe sehen, die heller als die hellsten Sterne erscheint, melden Sie die Sichtung einfach. Es gibt zwei Web-Apps dafür: Die International Meteor Organization betreibt die Plattform fireballs.imo.net, ein deutschsprachiges Meldeformular finden Sie unter https://www.meteoros.de/feuerkugel. Eine weitere App hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter dem Namen "Skywatcher" entwickelt, zu finden unter https://skywatcher.inetseite.de/ (nicht zu verwechseln mit der Teleskopmarke!). Wichtig beim Melden einer Feuerkugel: Lassen Sie so wenig Zeit wie möglich zwischen Sichtung und Meldung. Denn die Erinnerung an Details verblasst unweigerlich - und je genauer die Meldung, desto größer der Nutzen. 

Wenn Ihnen ein Foto gelungen ist, senden Sie es am besten zusätzlich mit ein. Besonders helle Feuerkugeln hinterlassen Meteorite, die von Spezialisten gefunden werden - wer weiß, vielleicht in Zukunft auch mit Ihrer Hilfe? Wenn Sie auf den Geschmack gekommen sind, können Sie sogar eine All-Sky-Kamera aufbauen und damit Meteore registrieren.

Astrofotografie von Meteoren

Aufnahme eines Meteors von Cristian Fattinnanzi Aufnahme eines Meteors von Cristian Fattinnanzi

Ein einfaches Setup, eine Kamera und der Sternenhimmel: Die Astrofotografie von Meteoren fällt leicht. Sie können schon mit einer stehenden Kamera mit Stativ erste Ergebnisse erzielen. 

Ein neuer Trend in der Astrofotografie ist die nachgeführte Übersichtsaufnahme in Kombination mit der nächtlichen Landschaft. Diese Technik hat auch einen Namen: Astro-Nightscape Fotografie. Mittlerweile hat sich eine ganze Gemeinschaft von „Nightscapern“ gebildet. 

Die Ausrüstung ist einfach: Sie brauchen nur einen Astrotracker, also eine Fotomontierung wie die beliebte Omegon MiniTrack 3, eine Kamera und ein Stativ. Schon können Sie losziehen und Ihre Sternschnuppen-Aufnahme mit einem schönen Hintergrundmotiv kombinieren. 

Wie spricht man die »Perseïden« richtig aus?

Ein kleiner Ausflug in die Sprachkunde: Manchmal sieht man die Perseiden mit zwei Punkten über dem »i«. Warum ist das so? Das ist eine Schreibweise, wie sie im Lateinischen vorkommt – ein Hiatus. Bei den Perseiden hat sie eine tiefere Bedeutung.
In der deutschen Schreibweise »Perseiden« liest man den Doppellvokal »ei« als »ai« und spricht sie damit nicht richtig aus. Die Version mit dem »ï« sagt dem Leser, die Buchstaben einzeln auszusprechen, also das i separat und nicht zusammen mit dem e.

So nun wünsche ich Ihnen einen klaren Himmel und viel Freude bei der Beobachtung.

Autor: Marcus Schenk

Marcus ist Amateurastronom, Texter, Autor und Liebhaber des Nachthimmels. Seit 2006 hilft er Menschen, das richtige Teleskop zu finden - heute über Texte und Videos.

Als Kaffee-Junkie hätte er am liebsten seine Siebträger-Espressomaschine auch unter dem Sternenhimmel dabei.

29.09.2021
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