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Praxis

Der Rote Planet auf Tuchfühlung

Unser Nachbarplanet Mars ist zwar deutlich kleiner als die Giganten Jupiter und Saturn, aber dennoch fasziniert er uns sehr. 

Bernd Gährken

Das liegt unter anderem daran, dass wir dort schon einige Forschungs-Satelliten und Erkundungssonden hingeschickt haben, die uns umfangreiches Fotomaterial übermitteln konnten, durch welches wir inzwischen eine ziemlich beeindruckende Darstellung der Oberfläche zeigen können.

Es gibt Krater, Rillen, Täler („Valles“), Tiefebenen („Planitia“), Gebirgszüge, sowie den höchsten Berg unseres Sonnensystems - den 26 Kilometer hohen Vulkan Olympus Mons.

Auch die immerwährende Idee von potenziellem Leben trägt zur Faszination des Roten Planeten bei. Gab es einst flüssiges Wasser dort? Findet man einfachste Bakterien oder gar Flechten als Botschafter organischen Lebens vor? Wir sind immer noch dabei diese und andere Fragen zur Geologie und Entstehung des Mars zu klären…Aktuell befindet sich bereits die nächste Sonde auf dem Weg dorthin, die dann sogar eine Drohne rund um den Planeten auf Erkundungstour schicken soll.

Bis eines Tages vielleicht sogar Menschen auf dem Mars landen werden müssen wir uns also mit den Daten und Fotos dieser Sonden, sowie mit unseren eigenen Beobachtungen zufrieden geben – und beobachtungstechnisch wird uns der Rote Planet in den nächsten Wochen sehr gute Bedingungen liefern:  Seine Opposition steht an und wird auf den 14. Oktober datiert. Bereits jetzt ist er als helles Objekt ab ca. 23 Uhr am westlichen Horizont zu sehen und läuft im Laufe der Nacht auf einer recht hohen Position entlang der Ekliptik zum Südhorizont.

Mars-Aufnahme mit einem 8“ SC, ZWO ASI 224MC, ADC - bei sehr gutem Seeing im August 2020 (Foto von J. Bates, Berlin)

Warum ist seine Opposition vorteilhaft für die Beobachtung?

Während der Opposition liegt unsere Erde genau mittig auf einer Linie zwischen der Sonne und Mars (die gleiche Position herrscht z.B. auch vor, wenn wir den Vollmond sehen). Alle zwei Jahre ist dies der Fall.

Das heißt der Planet – in diesem Fall Mars – hat rund um seinen Oppositionszeitpunkt den geringsten Abstand zur Erde und wird von uns aus gesehen außerdem komplett von der Sonne bestrahlt. Dies funktioniert übrigens nur mit den Planeten, die sich jenseits der Erdbahn befinden. Bei Merkur und Venus gibt es keine Opposition. Sie können unserer Erde nie gegenüberliegen.

Während der diesjährigen Oppositionszeit wandert Mars durch das Sternbild Fische und am Oppositionstag, dem 14. Oktober, kann man den Planeten die ganze Nacht über mit einer scheinbaren Helligkeit von -2,6mag beobachten. Der Erde am nächsten liegt Mars schon am 06. Oktober. Bereits in den Monaten August und September ist der Rote Planet rasch heller geworden und hat eine immer höhere Stellung am Himmel eingenommen. Zunächst war er in den Sommermonaten lediglich in der zweiten Nachthälfte sichtbar, aber dies ändert sich im Lauf des Septembers auf die ganze Nacht. Die immer frühere Dunkelheit im Herbst gibt uns zudem mehr Zeit, um den Roten Planeten zu sehen. Bis etwa Anfang November 2020 sind sehr gute Bedingungen vorhanden. Danach schwindet seine scheinbare Helligkeit und Höhe immer weiter.            

Nachdem Mars in den Folgemonaten durch die Sternbilder Widder, Stier, Zwillinge, Krebs und Löwe gezogen ist, endet seine Sichtbarkeit endgültig Anfang Juni 2021. 

Ein Foto des Roten Planeten von Bernd Gährken

Bei der Mars-Beobachtung gibt es Einiges zu erkennen. Bereits mit Teleskopen ab etwa 100mm Öffnung kann man dunkle Ebenen, weiße Polkappen oder auch hellere Wolkenstrukturen sehen. Hier gilt natürlich gleichermaßen, dass eine größere Teleskop-Öffnung auch mehr Details auflösen kann. 

Bevorzugte Geräte zur Planetenbeobachtung sind vor allem auch Schmidt-Cassegrain oder Maksutov Teleskope. Sie bieten eine lange Brennweite und damit eine scharfe und kontrastreiche Abbildung. Zusätzlich sind sie aber deutlich kompakter und leichter, als ein entsprechender Refraktor. Während man selbst in einem Großfernglas meist nur einen orangefarbenen Punkt oder bestenfalls ein kleines Scheibchen sieht, kann man beispielsweise mit einem 200mm Schmidt-Cassegrain Teleskop ähnlich detaillierte Mars-Beobachtungen machen, wie das Foto weiter oben zeigt. Eine spezielle Planetenkamera bringt dann noch mehr Strukturen des Mars hervor. Besonders geeignet sind hierfür Modelle der Omegon veLOX oder ZWO ASI Serie. 

Ein zusätzlich eingesetzter ADC („Atmospheric Dispersion Corrector“) verbessert dabei die atmosphärische Unruhe visuell und bei der Fotografie. Er kompensiert dabei den Effekt der atmosphärischen Dispersion und hilft, Farbränder an hellen Objekten wie Planeten zu reduzieren. Planetenfotos werden mit einem ADC noch etwas schärfer.

Als Vorbereitung zur Beobachtung oder auch als interessanter Lesestoff nach der Mars-Opposition kann man unter anderem folgende Medien nutzen:

In diesem Sinne kann man sich jetzt nur noch viele klare Nächte im bevorstehenden Herbst wünschen, denn erst im Winter 2022/23 wird unser roter Nachbar erneut mit der Erde auf „Tuchfühlung“ gehen. 

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und detailreiche Beobachtungen während der Mars-Opposition!

Autor: Jan Ströher

Jan ist Sprachwissenschaftler und Produktmanager für unsere astronomischen Produkte.

Jan hat Anglistik, Romanistik und Betriebswirtschaft studiert und war als Account Manager in der Luftfahrtbranche beschäftigt. Er interessiert sich seit seiner Jugend für Naturwissenschaften, vor allem für Astronomie: Im Alter von 15 Jahren machte er vom Balkon seines Elternhauses die ersten Beobachtungen mit einem Newton-Teleskop.

Jan ist sehr naturverbunden, neben der Astronomie faszinieren ihn auch Tiere und die Meteorologie. Seine Lieblingsobjekte am Himmel sind die großen Planeten, Wolf-Rayet Nebel und Kugelsternhaufen.

Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch

25.10.2020
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