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Test

Navis am Sternenhimmel: Einstieg in die digitale Astronomie

Schon seit vielen Jahren haben Handys die klassischen Navigationssysteme im Auto abgelöst. Warum also nicht das Handy auch in der Astronomie als Hilfestellung nutzen?

Digitale Teleskope Titel 1

Sie haben bestimmt schon mal ein Navi benutzt und kennen das Gefühl, ein bestimmtes Ziel zu haben, aber nicht zu wissen, wie man auf dem kürzesten Weg dorthin kommt. Ein Navi ist immer dann zur Stelle, wenn man sich nicht gut auskennt.

Genau wie im Straßenverkehr ist es auch am Sternenhimmel gerade für Einsteiger schwierig, sich zurecht zu finden und auf Anhieb die angestrebten Objekte zu beobachten. Wie wäre es also, wenn man zielgerichtet zu jedem beliebigen Himmelsziel hin navigieren könnte, aber gleichzeitig auch noch das Teleskop selbst bewegen kann, ohne auf Motoren angewiesen zu sein?

Mit dem Celestron StarSense Explorer und dem Omegon Push+ gibt es zwei Ansätze, die zeigen, welche Möglichkeiten es aktuell gibt. 

Wir zeigen Ihnen in diesem Artikel, wie die beiden Geräte funktionieren und welche Vor- bzw. Nachteile sie bieten. Denn obwohl sie auf den ersten Blick sehr ähnliche Features bieten, sind sie doch von Grund auf verschieden. Die Erfahrungsberichte beziehen sich hauptsächlich auf die kleinsten Newton-Modelle der Serien. Beim Celestron handelt es sich um eine 130mm Öffnung, während das Omegon mit 150mm Öffnung ausgestattet ist.

Aufbau

Das StarSense Explorer in Einzelteilen vor dem Zusammenbau Das StarSense Explorer in Einzelteilen vor dem Zusammenbau

Der Aufbau gestaltet sich bei beiden Teleskopen sehr einfach. Bei dem Celestron ist das Paket in drei Bauschritte unterteilt, sodass man zuerst das Stativ aufbaut, dann das Teleskop aufsetzt und im letzten Schritt das Zubehör wie die Smartphone-Halterung oder Okulare anbringt. Das benötigte Werkzeug wird direkt an der Montierung befestigt, sodass man jederzeit alles Benötigte mit dabeihat. Zudem ist eine kleine Tasche dabei, um Okulare und ggf. die Handy-Halterung sicher zu transportieren. 

Das Push+ ist ähnlich leicht aufzubauen wenn auch etwas anders, da es sich um eine Dobson-Montierung handelt. Die Montierung ist bereits fertig aufgebaut, somit muss lediglich die Prismenschiene mit zwei Rohrschellen am Teleskop befestigt sowie in diesem Fall noch der Okularauszug eingesetzt werden. Zum Schluss wird noch eine Smartphone-Klemme an die Seite angeschraubt, um das Handy sicher zu befestigen. 

Das Einsetzen des Okularauszugs beim Push+ war etwas schwer, abgesehen davon sind beide Geräte gleich leicht aufzubauen und sehr schnell einsatzbereit. Die sehr guten und ausführlichen Aufbauanleitung gibt es ausgedruckt (Celestron) oder als PDF-Download (Omegon) mit dazu.

Einrichtung

Einrichtung

Nach dem Aufbau sind die Teleskope bereits voll einsatzbereit. Da beide Geräte mit einem Sucher geliefert werden, kann man Sie wie jedes andere Teleskop für die Beobachtung verwenden. Doch anders als normale Teleskope kann man bei diesen Geräten mit einem Handy weitere Funktionen entdecken. Damit das funktioniert, muss zuerst die Verbindung zum Handy eingerichtet werden. Hier finden sich auch die ersten Unterschiede zwischen den beiden Teleskopen.

Die in beiden Achsen verbauten Encoder des Push+ Die in beiden Achsen verbauten Encoder des Push+

Denn sie setzen auf verschiedene Arten der Smartphone-Integration. Während bei Celestron keine digitale Verbindung zwischen der Montierung und dem Handy besteht, sondern die Bewegung über die Neigung des Handys nachvollzogen wird, muss man sich beim Omegon Push+ mit der Montierung per Bluetooth verbinden und die Teleskop-Position wird mithilfe von Achsen-Encodern ausgelesen und an das Smartphone übertragen.

Beim StarSense Explorer kommt zudem die relativ neue Plate-Solving Technologie zum Einsatz, mithilfe derer das Handy durch das Analysieren von Stern-Konstellationen genau herausfinden kann, auf welchen Teil des Himmels es gerade gerichtet ist. Daraus ergeben sich auch die vorher bereits angekündigten Unterschiede in der Einrichtung:

Für das Celestron StarSense Explorer benötigt man die gleichnamige App, die sich mit einem beiliegenden Code aktivieren lässt. Ohne Code sind die Teleskop-spezifischen Funktionen nicht verfügbar. Man steckt das Handy in die dafür vorgesehen Halterung und nach dem Öffnen der App wird man von einem Einrichtungs-Assistenten und kurzen Videos durch das komplette Setup geleitet. 

Um das Handy mit der Teleskopstellung zu synchronisieren, muss man mit dem Teleskop ein Objekt anfahren, das man dann auf dem Kamerabild am Handy mit einem Fadenkreuz markiert. Je genauer man das macht, desto besser ist danach die Genauigkeit. Man kann diesen Prozess wahlweise tagsüber oder nachts abschließen. Am Tag ist das Auffinden eines Objekts zum Justieren generell leichter. Macht man es bei Nacht, gibt es in der App extra einen praktischen Night-Mode, der das gesamte Bild des Handys heller macht. Ist das Handy einmal eingerichtet, muss man es im besten Fall nie wieder neu machen, da das „Alignment“ bestehen bleibt. Man wird aber nach jedem Start der App gefragt, ob man die bestehenden Einstellungen behalten will oder ein neues Alignment machen möchte.

Ansicht beim Start von SkySafari mit den Bedienelementen Ansicht beim Start von SkySafari mit den Bedienelementen

Bei dem Omegon Push+ ist aufgrund der beschriebenen Funktionsweise eine andere Art des Alignments nötig. Zudem muss das Teleskop vor der Einrichtung mit dem beiliegenden Kabel oder einer Powerbank mit Strom versorgt werden. Das Smartphone kann man in der montierten Halterung sicher befestigen, sodass es auch bei der Benutzung nicht stört.

In der zum Download verfügbaren Anleitung wird Schritt für Schritt mit Screenshots beschrieben, was man tun muss. Zuerst verbindet man das Handy mit der Montierung, die nach dem Anschluss an Strom über das Handy per Bluetooth sichtbar sein sollte. Im Gegensatz zum StarSense Explorer setzt das Omegon nicht auf eine eigene App, sondern nutzt die Funktionen von SkySafari 5 Plus und einigen anderen Planetariums-Programmen.

In SkySafari werden bereits nativ einige digitale Teleskope unterstützt, zu denen auch das Push+ zählt. Nach dem Setzen einiger Parameter wie Art des Teleskops, Bauweise der Montierung usw. kann man in der Haupt-Ansicht unter „Scope“ die Verbindung zum Push+ herstellen. Ist das erledigt, folgt wie beim StarSense Explorer das Alignment. Hier allerdings mit zwei Sternen und ein Alignment tagsüber ist nicht vorgesehen, da man nur Objekte auswählen kann, die in der Planetariums-Software sichtbar sind. Daher wird bereits eine gewisse Grundkenntnis über den Nachthimmel vorausgesetzt.

Allerdings zeigt die App auch an, wenn ein Alignment-Stern ungewöhnlich weit weg von der eigentlich vermuteten Position ist. Dadurch werden anfängliche Fehler direkt vermieden. Wichtig zu wissen ist, dass an jedem neuen Beobachtungsabend ein Alignment zu machen ist, da weder die Software noch die Encoder das aktuelle Alignment speichern.

Benutzung

Da beide Hersteller bei der Verarbeitung auf wertige Materialien wie Alu oder Holz setzen, sind beide Teleskope sehr stabil und lassen sich einwandfrei bewegen. Man kann beide Geräte mit der Hand hin und her schieben, wobei man bei Celestron zusätzlich die Möglichkeit hat, mit zwei Verlängerungsstangen die Montierung fein zu bewegen. Beim Celestron gibt es Außerdem am Stativ noch eine Ablage für Okulare oder sonstiges Zubehör, die beim Push+ aufgrund der kompakten Bauweise fehlt.

Okularauszug

Beide Teleskope verfügen über einen guten Okularauszug, der sich sehr leicht und präzise bewegen lässt, allerdings fehlt bei beiden ein Feintrieb, was aber in der Preisklasse und vor allem durch die gute Qualität nicht weiter stört.

Okularauszug

Aufsuchen von Objekten

Beim Aufsuchen von Objekten mit dem Handy war das Push+ leicht im Vorteil, da immer die aktuelle Position des Teleskops auf dem Display angezeigt wurde, während das StarSense Explorer gerade bei größeren Distanzen zwischen zwei Objekten noch einen kurzen Moment benötigte, um die genaue Position zu bestimmen.

Das liegt unter anderem an dem eingebauten Plate-Solving, das nach dem Stillstand des Teleskops zuerst ein Bild auswerten muss. Dieser Prozess wurde einem auch im Display durch rote, gelbe oder grüne Umrandungen angezeigt, sodass man immer wusste, wie genau die auf dem Display angezeigte Position gerade ist.

Das Push+ lässt sich entweder aufgebaut oder in nur zwei Einzelteilen perfekt transportieren Das Push+ lässt sich entweder aufgebaut oder in nur zwei Einzelteilen perfekt transportieren

Insgesamt muss man erwähnen, dass beide Teleskope erst nach einem präzisen Alignment ihre Stärken ausspielen können. Ist das jedoch erledigt, dann liefern beide Teleskope genau das, was sie versprechen. Nämlich ein Navi für den Sternenhimmel. Man kann das Teleskop immer noch selbst bewegen, aber hat den Vorteil, dass man auch ohne Kenntnis schon erste Erfolge erzielt.

Ein letzter Punkt bezüglich der Benutzung ist der Transport der beiden Geräte. Gerade wenn man nicht im eigenen Garten oder auf der Wiese nebenan beobachten möchte, muss das Teleskop mit dem Auto transportiert werden. Hier kann das Omegon Push+ mit seiner kompakten Bauweise punkten. Je nach Größe des Teleskops lässt es sich entweder im aufgebauten Zustand oder in zwei Teilen gut transportieren und ist in wenigen Handgriffen am Beobachtungsort aufgebaut.

Beim Celestron braucht man aufgrund des Stativs selbst im eingeklappten Zustand schon einen größeren Stauraum, um es aufgebaut zu transportieren. Gerade wenn es auch um die größeren Geräte geht, ist es ratsam, das Teleskop und das Stativ separat zu verstauen. Zudem wäre es sinnvoll, die Smartphone-Halterung abzubauen, da diese sonst beim Transport abgerissen werden kann. Folglich ist auch der Aufbau etwas komplizierter und erfordert ein wenig mehr Zeit. Dennoch muss man erwähnen, dass beide Teleskope mit ein bisschen Übung sehr schnell einsatzbereit sind. 

An der optischen Leistung der beiden Geräte gibt es nichts auszusetzen. In der Praxis war der Blick durchs Okular auf Augenhöhe, wobei keines der Beiden größere Vor- oder Nachteile gezeigt hat. In Anbetracht der Öffnung waren auch die beobachteten Objekte gut zu erkennen. Gerade für Einsteiger oder Amateur-Astronomen, die erste Erfahrungen in der Deep-Sky Beobachtung machen wollen, sind diese Teleskope perfekt geeignet. Sowohl Planeten wie Saturn und Jupiter, aber auch erste helle Deep-Sky Objekte (Andromeda-Galaxie, M13 etc.) sind damit gut zu erkennen.

Fazit

Im Praxistest konnten beide Teleskope überzeugen. Das eine hat im Punkt Bedienbarkeit seine Vorteile, während das andere besser ist beim Aufsuchen von Objekten. Gerade bei solchen Einsteigergeräten stellt sich oft die Frage, welches nun für welche Zielgruppe geeignet ist. Hier gibt es eine klare Tendenz:

Wer sich schon immer mal ein Teleskop anschaffen wollte und sich schon ein wenig mit dem Sternenhimmel auskennt, dem kann man das Push+ empfehlen. Je nach Bedürfnis geht es hier vom kleinen 6“ Newton auf der Push+ Mini bis zu 8“ Öffnung für ambitionierte Hobbyastronomen. Mit einer Dobson Montierung zu beobachten ist intuitiv und selbst fortgeschrittene Beobachter setzen auf diese Bauweise, wenn man lediglich visuell beobachten möchte, da sie sehr platzsparend, aber trotzdem stabil ist.

Beim Celestron StarSense Explorer liegt der Fokus eher auf einem einfachen Einstieg in die Astronomie. Wer sich noch gar nicht am Himmel auskennt und nur gelegentlich Beobachten möchte, ist hiermit genau richtig. Man bekommt von der ersten Einrichtung und auch während der Beobachtung hilfreiche Tools an die Hand, um auch als kompletter Neuling nicht sofort die Lust zu verlieren.

Generell gesprochen macht man mit beiden Teleskopen nichts falsch. Denn zum einen hat man immer wieder Erfolgserlebnisse, wenn man ein Objekt gefunden hat und hält dadurch die Motivation aufrecht. Zum anderen hat man aber auch die Möglichkeit, die Geräte ganz ohne technische Hilfsmittel zu benutzen. Und gerade das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man sich ein solches Teleskop zulegt.

Allgemein kann man abschließend noch anmerken: Ein solches Teleskop ist immer nur so gut wie sein Benutzer. Gibt man sich beim Alignment und der Einrichtung Mühe, macht es viel Spaß, damit zu beobachten.

Fazit

Autor: Sebastian Brummer

Sebastian ist Hobbyastronom und studiert Mathematik an der TU München. Er pflegt das Magazin und verfasst eigene Inhalte zu interessanten Themen.

Als Mitglied der Sternwarte St. Ottilien beschäftigt er sich in seiner Freizeit mit Astrofotografie und der Organisation von Beobachtungsabenden. 

09.08.2022
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