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Test

Astronomie trifft auf High-End Technik: Stellina und eVscope im Kurzportrait

Hochaufgelöste Kugelsternhaufen und detailreiche Deep-Sky Aufnahmen auf Knopfdruck. Die innovativen Teleskope von Vaonis und Unistellar vorgestellt.

Tablets und Smartphones halten in vielen Lebensbereichen Einzug und sind oft nützliche Helfer, wenn man beispielsweise unterwegs im Internet stöbert oder Serien auf dem Weg in die Arbeit schaut. In der Astronomie allerdings ist eine gute Smartphone-Integration eher die Seltenheit. Wie könnten also Handys und Teleskope perfekt miteinander verbunden werden?

Mit dem Vaonis Stellina und dem eVscope von Unistellar gibt es nun zwei Teleskope, die auf diesem Gebiet in ihrer Form einzigartig und innovativ sind. Durch Features wie automatisches Alignment oder Live-Stacking ermöglichen sie bereits Einsteigern das Beobachten bzw. Fotografieren von schwierig auffindbaren DeepSky Objekten. Doch wie schlagen sie sich in der Praxis?

Unistellar eVscope

Es handelt sich bei dem Teleskop um einen Newton mit 114 mm Öffnung und 450 mm Brennweite. Der Aufbau des Gerätes gestaltet sich aufgrund der Anleitung und dem zweiteiligen Design einfach – es gibt nur Stativ und Teleskop mit Montierung. Vor der ersten Beobachtung muss man das Gerät zunächst aufladen. Es liegen Adapter für alle Länder bei, wodurch man es an jeder beliebigen Steckdose anschließen kann. Aufladen ist ein gutes Stichwort, da das Gerät im Gegensatz zu vielen klassischen Montierungen keine externe Stromversorgung benötigt, sondern mit seinem eingebauten Akku bis zu 4 Stunden Beobachtungszeit liefert. 

Die dazugehörige App ist schnell auf dem Smartphone oder Tablet installiert und in wenigen Minuten eingerichtet. Die Verbindung zum Teleskop ist stabil, allerdings empfiehlt es sich, die App nicht zu schließen, da es dabei zu Problemen kommen kann und man sich danach gegebenenfalls erneut verbinden muss. 

Einmal eingerichtet, lässt sich das Teleskop für die ersten Beobachtungen leicht transportieren und der Aufbau am Beobachtungsplatz gestaltet sich selbst im zerlegten Zustand einfach. Zudem lässt sich das Gerät über eine beigelegte Fokussiermaske schnell justieren und man ist sofort einsatzbereit.

Schon kann man über die App am Smartphone entweder selbst Objekte aussuchen, die das Teleskop anfährt, oder vorgegebene Ziele anpeilen. Das Besondere: Ein Ausrichten auf den Polarstern sowie das Alignment auf einen oder mehrere Sterne fällt weg, denn das Teleskop erkennt Sternformationen sowie den Standort und findet sich so am Sternenhimmel perfekt zurecht. Einmal gefunden bleibt das Objekt dann durch die automatische Nachführung im Blickfeld zentriert. 

Ein weiteres Feature des eVscope ist die Art der Beobachtung. Auf dem Smartphone-Display lassen sich Einstellungen zur Fotografie sowie das fertige Bild betrachten. Doch das Okular gibt den Blick frei auf einen weiteren Bildschirm, der dasselbe Bild anzeigt. Dadurch hat man bei dem eVscope weiterhin das klassische Gefühl, durch ein Teleskop zu blicken. Durch das Übereinanderlegen von mehreren Aufnahmen, die das Unistellar automatisch macht, erscheint das Objekt immer schärfer, je länger man hindurchblickt. Dieses "Stacking" genannte Verfahren kennt man aus der Astrofotografie, allerdings ist das bei den meisten Aufnahmen erst nach der Beobachtung möglich und nimmt einem somit die Erfahrung der Live-Beobachtung.

Das Teleskop bietet außerdem die Möglichkeit, die gewonnenen Bilder abzuspeichern. Die Informationen zur Belichtungsdauer, Datum sowie Zeitpunkt der Aufnahme und Koordinaten werden in einem automatisch hinzugefügten Rahmen zusammen mit dem Unistellar Logo angezeigt.

Vergleich zwischen dem Stellina und eVscope am Kugelsternhaufen M 13. Belichtungszeit: Vaonis 25 Minuten, Unistellar 3 Minuten

Vaonis Stellina

Im Vergleich zum Unistellar handelt es sich beim Vaonis um einen Apochromatischen Refraktor mit 80 mm Öffnung und 400 mm Brennweite. Auch hier ist der Aufbau des zweiteiligen Teleskops einfach. 

Der herausnehmbare Akku ist ein Vorteil, da man bei Bedarf einen zweiten vollgeladenen Akku mitnehmen kann und somit die Beobachtungszeit verlängert wird. Das Aufladen erfolgt an jeder herkömmlichen Steckdose und alternativ kann das Stellina über einen USB-C Anschluss auch dauerhaft mit Strom versorgt werden. Dadurch lassen sich externe Powerbanks zum Betrieb des Teleskops verwenden.

Die App ist leicht zu bedienen und verbindet sich zuverlässig mit dem Gerät. Vorgefertigte Bilder zu allen gespeicherten Objekten erleichtern die Auswahl der Ziele.

Nach dem Aussuchen fährt das Stellina genau wie das eVscope das Ziel vollautomatisch an. Durch automatische Standort- und Sternfeld-Erkennung weiß das Teleskop auch ohne langatmiges Alignment genau, wo es sich am Himmel befindet. Ist das Objekt gefunden wird es zuverlässig und präzise nachgeführt. Das Finden ist dabei ähnlich schnell wie beim Unistellar. Der einzige Unterschied besteht darin, dass man beim eVscope dauerhaft das Bild angezeigt bekommt, wohingegen beim Unistellar ein Ladebildschirm angezeigt wird, der erst nach erfolgreicher Suche verschwindet.

Das Stellina verfügt über kein Okular, man betrachtet alles über das Handy. Das Live-Stacking des Unistellar ist auch hier vorhanden. Man erhält detailreiche Aufnahmen von Deep-Sky Objekten, die je nach Länge der Belichtung immer schöner werden. Planeten sind durch den Weitfeld-Refraktor besonders gut zu fotografieren.

Genau wie beim eVscope kann man auch hier die Bilder abspeichern, allerdings ohne Rahmen mit Informationen.

Vergleich der beiden Teleskope an der Galaxie M 81. Belichtungszeit: Vaonis 30 Minuten, Unistellar 35 Minuten.

Fazit

Beide Teleskope bieten durch eine Handy-Verbindung einen einfachen Einstieg in die visuelle und fotografische Astronomie. Beide können durch ihre Features wie Live-Stacking, automatisches Alignment und einfaches Handling in der Praxis überzeugen.

Die Unterschiede in Bildqualität und Belichtungszeit entsprechen anderen Linsen- und Spiegelteleskopen. Wer eher Deep-Sky Objekte beobachtet und mit kürzeren Belichtungszeiten hochauflösende Kugelsternhaufen betrachten will, der sollte zum eVscope greifen. Für Planetenfans eignet sich das Stellina besser. Doch auch mit dem Stellina als Weitfeld-Refraktor lassen sich gute DeepSky-Aufnahmen erzielen, so wie man auch mit dem eVscope gute Planetenbilder erreicht.

Wer allerdings noch das Erlebnis haben möchte durch ein reales Okular zu blicken, der sollte zum eVscope greifen. Das Stellina ist mehr ein Photoscope für Astronomen, die sich aufwendige Astrofotografie-Aufbauten sparen wollen. 

Kann man sich für die Technik begeistern oder möchte ohne viel Aufwand schöne Bilder erzielen, machen bestimmt beide Geräte viel Spaß.

Autoren: Alessandro Messina und Sebastian Brummer

04.12.2020
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