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Dachkant oder Porro?


Keine Angst wir werden nicht über architektonische Besonderheiten von monumentalen Bauwerken sprechen. Dachkant und Porro sind zwei verschiedene Prismensysteme, die beim Bau von Ferngläsern zum Einsatz kommen.

 

Porroferngläser

Althergebrachte und bewährte Ferngläser verfügen über Porrosysteme. Diese Prismenart war die erste, die zur Herstellung von Ferngläsern eingesetzt wurde. Sie sind nach dem Konstrukteur Ignazio Porro benannt. Dabei kommen zwei Prismensegmente zum Einsatz, die über Totalreflektion das Bild aufrichten und um 180° pro Prismensegment umlenken. An den Grenzflächen der Prismen wird der Lichtstrahl unter einem speziellen Einfallswinkel nicht gebrochen, sondern reflektiert. Eine ganz klassische Eigenart, an der man Porro-Ferngläser erkennt, sind die zueinander versetzten Okulare und Objektive. Sie haben den Vorteil, dass ein sehr plastisches Sehen ermöglicht wird.

 

Dachkantferngläser

Die zweite Art von Ferngläsern kennt man unter dem Namen Dachkantsysteme. Dies ist eine wesentlich kompaktere Fernglasbauform. Diese Art von Ferngläsern ist inzwischen beliebter als die Porro Varianten.

Wie der Name sagt, verläuft der Strahlengang durch die Prismen in einer Form, die an ein Hausdach erinnert. Daher nennt man sie im Englischen auch „roof-prism“. Das Licht wird in Dachkantprismen durch Verspiegelung weitergeleitet, mindestens eine Fläche muss verspiegelt werden, was durch silber- oder dielektrische Schichten geschieht. An fünf Stellen wird der Lichtstrahl reflektiert, bis er in das Okular tritt. Es ist wesentlich aufwendiger, ein gutes Dachkantsystem herzustellen, da der Lichtverlust an den verspiegelten Flächen möglichst gering gehalten werden muss. Manchmal werden sog. Abbe-König Prismen verwendet, hier müssen die Flächen nicht verspiegelt werden.

   
 

Das Innere bekommt der Fernglasbeobachter meist nicht zu Gesicht.

In einem Dachkantfernglas sind zwei Prismen verborgen, die für ein aufrechtes Bild sorgen. Links im Bild befindet sich eine Okularlinse, rechts wäre die Objektivlinse.

 


Ein weiterer Effekt, der nur bei Dachkantprismen hinzukommt, ist die Verschiebung der Lichtphasen, die durch den Reflektionsweg durch die Prismen bedingt sind. Das Licht wird sozusagen in zwei Teile verschoben. Dabei sind die Wellentäler und -Berge des Lichtes gegeneinander versetzt. Dies schwächt die Intensität des Lichts, reduziert das Auflösungsvermögen, erzeugt Strahleffekte und der Kontrast der Abbildung kann darunter leiden.

   
  Porro- und Dachkant-Ferngläser haben ganz unterschiedliche Bauweisen. Der Hauptgrund ist hierbei die Verwendung der Prismen. Ein Dachkantglas kann dadurch eine wesentlich kompaktere Bauweise haben. Der Strahlengang verläuft in Form eines Hausdaches.  

Daher wird in hochwertigen Dachkantgläsern ein Phasenkorrekturbeschichtung (auch P-Belag genannt) aufgebracht, der die Phasen wieder zusammenfügt. Grundsätzlich können Porro- und Dachkantferngläser je nach Aufwand die gleiche Abbildungsleistung bieten.

 

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24.04.2019
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