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Praxis

Doppelsterne in den Plejaden

Die Plejaden haben auch für Stadtbeobachter einiges zu bieten, auch wenn die berühmten Nebel nicht zu sehen sind. Friedrich Topf / CCD Guide

Die Plejaden (M 45 oder auch »das Siebengestirn«) fehlen regelmäßig auf der Agenda einer winterlichen Beobachtungsnacht aus der Stadt, da sie selbstam Stadthimmel mit bloßem Auge erkennbar sind und allenfalls als Feldstecherobjekt attraktiv erscheinen. Die geringe Aufmerksamkeit ist nicht ganz berechtigt, denn M 45 hat auch bei genauerem Hinsehen eine Menge zu bieten. Zwar bleiben die berühmten Reflexionsnebel, die die Hauptsterne der Plejaden umgeben, für den Stadtastronomen unsichtbar, doch enthält M 45 eine ganze Reihe schöner Mehrfachsternsysteme, die sich auch von urbanen Standorten beobachten lassen.

Ein historischer Blick

Zeichnung der Plejaden mit einem 20×125-Fernglas. Uwe Glahn

Wer die teleskopische Beobachtung der Plejaden mit 15-facher Vergrößerung beginnt, erhält zunächst ein Bild, das man durchaus als »historisch« bedeutsam bezeichnen kann: Als Galileo Galilei 1610 mit dem gerade erst erfundenen Fernrohr die ersten Entdeckungen machte, richtete er seinen Blick in den ersten Beobachtungsnächten auf die Plejaden und zählte – überrascht von der unerwartet großen Sternenvielfalt – im Umfeld des Siebengestirns 36 Sterne, ungefähr die Zahl, die man heute bei 15-facher Vergrößerung am Stadthimmel erkennen kann.

Das Bild mit der markanten Stern-Raute hat von seiner Faszination bis heute nichts eingebüßt. Interessant sind aber auch die Doppelsterne und Mehrfachsternsysteme.

Eine Doppelstern-Tour

Schon bei einer Vergrößerung von 25× erkennt man zunächst ein enges Pärchen im nördlichen Zentrum der markanten Stern-Raute, die von Alkyone im Westen, Maia im Norden, Elektra im Osten und Pleione im Süden gebildet wird. Das Sternpaar wurde vom US-amerikanischen Astronomen Sherburne W. Burnham (1838 bis 1921) katalogisiert, wobei sich am Stadthimmel nur die beiden 8,m3 hellen und 41" voneinander entfernten Komponenten zeigen; ein dritter Begleiter mit einer Helligkeit von 12,m7 dürfte auch bei höchster Vergrößerung unerreichbar sein. Übrigens: In Galileis Zeichnung der Plejaden in seinem »Sternenboten« von 1610 ist dieses – mit heutigen Mitteln leicht erkennbare – Sternpaar noch nicht als Doppelstern kenntlich gemacht.

Zweite Station unserer kleinen Doppelstern-Tour durch M 45 ist Alcyone oder η Tauri, mit 2,m9 und 1000-facher Sonnenleuchtkraft der hellste Plejadenstern. η Tauri wird östlich von drei etwa gleich hellen Sternen begleitet, die ein langgestrecktes Dreieck bilden. Sie sind mit Alcyone physikalisch verbunden, benötigen zur sicheren Auflösung aber schon Vergrößerungen von mindestens 120×. Zu viel für Galilei: Er hat die Begleiter von Alcyone in seiner Zeichnung im »Sternenboten« nur als einen einzigen Stern markiert.

Schließlich Taygeta oder 19 Tauri, ein heller Stern, der in der Verlängerung einer gedachten Linie von Alcyone und Maia liegt und etwas schwächer als diese beiden Sterne leuchtet. Taygeta hat ebenfalls einen Begleiter, der sich allerdings erst bei hoher Vergrößerung (ab 120×) als ein winziges Lichtpünktchen zu erkennen gibt, und auch dies häufig erst mit indirektem Sehen.

Aufsuchkarte für die Beobachtungsempfehlungen in den Plejaden. J. Scholten

Autor: Karl-Peter Julius / Lizenz: Oculum-Verlag GmbH

19.01.2020
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